Jugendarbeit in Jestetten
Rita Kromer
Der neue Jugendraum im ehemaligen Bahnhofsgebäude ist ein wirkliches Schmuckstück geworden. Hier treffe ich mich mit dem Jugendarbeiter Michael Mothes, mit dem ich mich immer wieder gerne über seine Arbeit mit jungen Menschen unterhalte. Seit Juni 2012 ist er für die Kinder und Jugendlichen der Gemeinden Jestetten und Lottstetten zuständig. Zu Beginn seiner Tätigkeit war der Jugendraum im Untergeschoss der ehemaligen Gewerbeschule untergebracht. Das Gebäude wurde gemeinsam mit der Realschule genutzt. Nachdem aber seitens der Schule mehr und mehr Platz benötigt wurde, musste für die Jugendarbeit nach neuen Möglichkeiten gesucht werden. Es wurde eine Containerlösung auf dem Parkplatz beim Bahnhof realisiert und hier war dann von Anfang 2020 bis Ende 2024 der Treffpunkt für die Jugendlichen.
Nun wurde im März dieses Jahres der neue Jugendraum im ehemaligen Jestetter Bahnhofsgebäude seiner Bestimmung übergeben. Bereits im November 2017 hatte die Gemeinde Jestetten das Gebäude von der SBB gekauft. Die ursprüngliche Planung sah Räumlichkeiten für die offene Jugendarbeit im Ober- und Dachgeschoss vor. Daneben sollte im Erdgeschoss ein Raum für den Regionalen Naturpark Schaffhausen entstehen und als Infopoint/Tourismusbüro genutzt werden. Der ehemalige Güterschuppen sollte als Universalraum ausgebaut werden. Die Planung wurde 2023 aus Kosten- und Denkmalschutzgründen geändert. Der Gemeinderat beschloss den Umbau des Erdgeschosses mit Zusatzfläche zum Jugendraum, während der Güterschuppen ohne weitere größere bauliche Maßnahmen mitgenutzt werden sollte. Die Wohnung im Obergeschoss sollte saniert, eine Heizung eingebaut und die Außenfassade gemacht werden. Baubeginn war im April 2024, die Sanierungskosten beliefen sich auf insgesamt 640.000 Euro. Es flossen Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum in Höhe von 109.000 Euro, für die Heizungserneuerung gab es einen Zuschuss in Höhe von 14.460 Euro. Die Renovierung erfolgte unter der Federführung des Architekturbüros Osswald. Beim Bau und der Renovierung haben die Jugendlichen mitgearbeitet.
Michael Mothes freut sich, dass hier ein Ort entstanden ist, wo die jungen Menschen mitorganisieren, viel selbst machen und gestalten können. Mit dem Jugendraum wurde eine starke Verbesserung der Infrastruktur geschaffen, professionelle Arbeit auch in Gruppen ist nun möglich und Mothes kann sich zu Gesprächen in sein eigenes Büro zurückziehen.
Er erklärt und sinniert über den Unterschied zwischen Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit. Während sich die Jugendsozialarbeit an benachteiligte Jugendliche richtet, findet Jugendarbeit mit allen Jugendlichen statt. Wobei, so Mothes, ein junger Mensch im Vergleich zum Erwachsenen eigentlich immer benachteiligt sei. Ganz wichtig ist für ihn, dass die Heranwachsenden Eigeninitiative ergreifen und selbst Ideen und Vorschläge entwickeln. An der Wand hängt zum Beispiel ein Blatt mit gesammelten Stichworten. Ich kann sehen, dass hier ein »Brainstorming« stattgefunden hat zum Thema, was sich die jungen Leute in Jestetten wünschen würden. Michael Mothes erklärt mir, dass die Jugendlichen lernen sollen, ihre Bedürfnisse zu formulieren, sie sollen aktiv werden, auch auf politischer Ebene. Für Mothes steht die Beziehung zu den Jugendlichen im Vordergrund, man spürt deutlich, er ist eine Vertrauensperson und agiert auf Augenhöhe. So ist er auch Ansprechpartner bei persönlichen Anliegen der jungen Menschen. Wenn sie Ärger oder Probleme haben oder einfach nur Informationen brauchen, dann ist er für sie da. Weil ihm die Beziehungsebene so wichtig ist, will er nicht mit Sanktionen arbeiten, gleichzeitig muss der Jugendschutz natürlich eingehalten werden.
Insgesamt werden die neuen Räumlichkeiten sehr gut angenommen, die Jugendlichen fühlen sich wohl im alten Bahnhofsgebäude. Der Jugendraum ist jeweils Mittwoch, Donnerstag und Freitagnachmittag von 16 bis 21 Uhr geöffnet, eingeladen sind alle Jugendlichen und Interessierten. Hier kann man sich mit der Clique treffen, einfach nur gemütlich chillen, Tischfußball, Dart oder Billard spielen. Der Raum ist als offenes Angebot zur Freizeitgestaltung oder als Rückzugsort gedacht. Michael Mothes berichtet, dass es pro Nachmittag durchaus 20 bis 30 Jugendliche aus Jestetten und auch den Nachbargemeinden sein können, die sich hier treffen und austauschen. Für das kommende Schuljahr schwebt Mothes eine Kooperation mit den Schulen vor, um die Jugendarbeit noch attraktiver zu machen.
Aktuell laufen die letzten Vorbereitungen für das Jestetter und Lottstetter Sommerferienprogramm, eine seit Jahren beliebte Veranstaltungsreihe, die vom Jugendarbeiter in Zusammenarbeit mit zahlreichen Vereinen und Privatleuten organisiert und durchgeführt wird. Für Kinder und Jugendliche werden während der Sommerferien viele tolle Aktivitäten angeboten.
Es wird Zeit, mich von Michael Mothes zu verabschieden, es ist Mittwoch, und bald werden die ersten Jugendlichen eintreffen. Während unserem Gespräch habe ich gespürt, dass hier ganz viele Ideen gerade am Wachsen und Entstehen sind. Ich gehe mit dem Gedanken, dass Jungsein nicht immer leicht ist. Aber mit diesem tollen Jugendraum, der ehemaligen Güterhalle mit ungeahnten Möglichkeiten und mit allem, was sich hier in Jestetten bewegt, da könnte gerade dieses »Jungsein« doch tatsächlich auch Spaß machen.







