Der lange Weg zum Keltenrundweg
Dr. Konrad Schlude
Das spätkeltische Doppeloppidum von Altenburg-Rheinau war eine stadtähnliche Siedlung mit überregionalem Einfluss. Dies erklärt die heutige archäologische Bedeutung der Stätte. Die Geschichte fasziniert jedoch nicht nur Archäologen; weit über den Jestetter Zipfel hinaus gibt es zahlreiche an der keltischen Geschichte interessierte Menschen.
Zu Beginn der 1980er-Jahre veranstaltete der Kulturkreis Jestetten und Umgebung einen Vortrag des Archäologen Professor Franz Fischer. Der damalige Vorstandsvorsitzende, Dietrich Veigel, bemerkte bei seiner Begrüßung in der voll besetzten Halle in Altenburg, dass er noch nie eine Veranstaltung mit so vielen Zuhörern durchgeführt hätte. Das durch den Zürcher Archäologen Dr. Patrick Nagy initiierte langjährige grenzüberschreitende Prospektionsprojekt brachte nicht nur wichtige Erkenntnisse für die Forschung, begleitende Veranstaltungen wie Vorträge, Führungen und auch eine Exkursion in die Kantonsarchäologie Zürich zeigten, wie spannend die keltische Geschichte auch für die breite Öffentlichkeit ist.
So musste bei der Ausstellung »Kelten an Hoch- und Oberrhein« im Jahr 2006 das Rathaus an den Wochenenden geöffnet werden, um dem Besucheransturm gerecht zu werden.
Ein weiterer besonderer Höhepunkt war die Veranstaltung zum Tag des offenen Denkmals 2008. Zahlreiche Besucher kamen zu Führungen und insbesondere zum Bronzeguss zum Altenburger Waldfestplatz (siehe Jestetter Dorfchronik 2008, Seiten 92/93).
Das Oppidum leidet unter einem »typisch archäologischen Problem«: Die Archäologen sind von der Stätte und ihrer Bedeutung fasziniert, aber die Besucher erleben nichts davon, da der größte Teil in kleinen Resten in der Erde versteckt liegt. In Altenburg ist wenigstens die Schanz als Relikt der Befestigung zu sehen. Aber von der Stadt dahinter, vom geschäftigen Treiben mit Werkstätten, von der Münzprägung und von dem Handel mit Wein aus dem Mittelmeerraum ist nichts zu sehen.
Einen ersten Anlauf, dieses historische Erbe aufzubereiten und für Besucher erlebbar zu machen, stellte im Jahr 2015 das Projekt »Seltsamer Schwaben« dar. Der Projektname war eine Anspielung auf den Schaffhauser Botaniker Georg Kummer (1885-1954), der den Wald im Schwaben als »seltsamen Wald« bezeichnet hatte. In diesem Projekt vom Bildungswerk und dem Regionalen Naturpark Schaffhausen sollten die Besonderheiten des Schwaben, die Kelten, aber auch die geologische Beschaffenheit und die Besonderheit der Doppelrheinschleife besser zur Geltung kommen. In Zusammenarbeit mit der Firma designconcepts wurde das Konzept »Keltenwald Schwaben« erarbeitet und 2016 dem Gemeinderat vorgestellt. Zwar kam dieses Konzept sehr gut an, aber insgesamt wurde es als zu groß und zu teuer betrachtet, sodass es vorerst auf Eis gelegt wurde.
Eine Veränderung gab es im Jahr 2019, als das Land Baden-Württemberg ein kulturpolitisches Konzept »Keltenland Baden-Württemberg« beschloss, um die Geschichte der Kelten sichtbar und erfahrbarer zu machen. Die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller stellte die Verbindung nach Stuttgart her und setzte sich für das Projekt ein. Als Folge davon beschloss der Gemeinderat Jestetten im Jahr 2020, dass sich die Gemeinde an diesem Konzept beteiligen will.
Im Rahmen eines Projekts beim grenzüberschreitenden Regionalen Naturpark Schaffhausen konnte die Umsetzung beginnen. Für die Projektleiterin Pia Sulser stellte ihr erstes Projekt in vielfacher Hinsicht eine Herausforderung dar. So mussten viele Organisationen involviert und Kontakte geknüpft werden. Dazu gehören neben den Gemeindeverwaltungen von Jestetten und Rheinau sowie den archäologischen Stellen des Landes Baden-Württemberg und des Kantons Zürich auch die Hochrheinkommission. Diese war insbesondere für die Durchführung von Workshops und für das Beantragen von Fördermitteln wichtig und hilfreich.
Der Keltenrundweg ist 8,8 km lang und in etwa zweieinhalb Stunden zu gehen. Start ist beim Dorfplatz in Altenburg, von wo es über den Anwandel zur Schanz und dann in den Schwaben geht. Der Weg führt weiter über das Stauwehr des Kraftwerks Rheinau und somit auch über die Staatsgrenze, durch die Ortschaft Rheinau und über die Rheinauer Zollbrücke wieder zurück nach Altenburg.
Insgesamt zehn Informationstafeln, davon zwei in Rheinau, geben Auskunft entlang des Weges über einzelne Aspekte des Oppidums und über das Leben darin. Die Texte und Fotos auf den Tafeln stammen vom Landesamt für Denkmalpflege Stuttgart und von der Zürcher Kantonsarchäologie. Durch eine Kooperation mit dem Archäologischen Museum Colombischlössle in Freiburg können nun mit der ArCo-Museum-App Informationen auch elektronisch abgerufen werden.
Der Naturpark hat auch einen Flyer mit Wegbeschreibung und weiteren Informationen herausgebracht, dieser kann bei der Geschäftsstelle des Naturparks bezogen werden. Alternativ kann ein PDF zum Ausdrucken herunterladen werden:
www.natourpark.ch/tour/Keltenrundweg
Am 27. September 2025 wurde der Keltenrundweg eingeweiht. Den zahlreichen Besuchern wurden während eines Spazierganges vom Dorfbrunnen zur Schanz einige Informationen zur Geschichte des Oppidums vermittelt. Nach den Ansprachen, unter anderem durch den Bürgermeister von Jestetten, Dominic Böhler, und den Gemeindepräsident von Rheinau, Andreas Jenni, wurde am Waldfestplatz mit »Aurin und die vier Elemente« ein keltisches Märchen von Jenny Langhagen und Felicity Green aufgeführt. Spannend war insbesondere die Besichtigung der aktuellen Ausgrabungen, wobei Marcel El Kassem als zuständiger Gebietsreferent der archäologischen Denkmalpflege die neuesten Ergebnisse vorstellte. Eine besondere Attraktion und vor allem bei den Kindern beliebt war die Figur eines keltischen Kriegers, den der Jestetter Holzbildhauer Eberhard Rieber geschaffen hat.
Der regionale Fernsehsender TELE TOP aus Winterthur berichtete über das Ereignis, unter anderem wurde die Projektleiterin Pia Sulser interviewt.
Mit der Einrichtung des Keltenwegs ist ein wichtiges Ziel erreicht worden. Einige Aspekte der spannenden Geschichte werden den Besuchern beim Erwandern vermittelt. Und wenn das angedachte Museum auf der Klosterinsel Rheinau kommt, dann ergänzen sich die beiden Einrichtungen.
Auch eine kleine Ausstellung mit Funden aus der Sammlung des Jestetter Bildhauers Siegfried Fricker (1907-1976) in Altenburg wäre denkbar.
Da es noch andere bedeutsame archäologische Stätten im Regionalen Naturpark Schaffhausen gibt, könnte man diese mittels Radwanderweg mit Altenburg und Rheinau verknüpfen. Insbesondere die in Osterfingen ausgegrabene Töpferwerkstätte würde zeitlich zum spätkeltischen Oppidum passen.
Das keltische Erbe ist und bleibt spannend.












