30 Jahre »Schludemusigg«
Fabio Bleise
Fasnacht und Musik gehören seit jeher unmittelbar zusammen. Auch in Jestetten wird das närrische Treiben durch verschiedene musikalische Formationen bereichert. Seit inzwischen 30 Jahren besteht die weithin als »Schludemusigg« bekannte Gruppe, die als Chatzemusigg aus der Jestetter Fasnacht nicht mehr wegzudenken ist.
Dabei ist die Geburtsstunde im Jahr 1995 mehr als Wiederbelebung zu verstehen. Denn schon viele Jahrzehnte vorher hatte es in Jestetten Chatzemusigg gegeben, in eher losen Gruppierungen, die am Schmutzige Dunschdig durch die Straßen zogen und die Bevölkerung in aller Herrgottsfrühe mit Lärm und schrägen Tönen weckten, die in der Schweiz beschäftigte Arbeitnehmer am Bahnhof auf den »Sechsi-Zug« verabschiedeten und in den Geschäften Spenden für die Kinderfasnacht sammelten. Als diese Tradition im Laufe der Jahre etwas einzuschlafen drohte, wurde sie von einigen fasnachtsbegeisterten Männern und Frauen wiederbelebt.
Treibende Kraft waren die Geschwister Schlude mit ihren Partnern. Von Anfang an dabei waren Manfred Schlude, Kornelia (geb. Schlude) und Peter Heer, Silvia (geb. Schlude) und Johannes Remmele, Renate (geb. Schlude) und Dietmar Klett, Simone und Andreas Schlude, Doris Dufner (geb. Schlude) und darüber hinaus Heike und Uwe Frenzel sowie Andrea und Werner Schmid. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird die Gruppe »Schludemusigg« genannt und natürlich sind inzwischen auch die Kinder und Enkel aktiv mit dabei.
Der erste Auftritt war dann gleich ein voller Erfolg und so beschloss man, auch künftig als geschlossene Gruppe am Fasnachtsgeschehen teilzunehmen. Die neue Formation erfreute sich bald großer Beliebtheit. Legendäre Auftritte gab es im Bürgersaal des Rathauses, in der damaligen Bäckerei Schaaf sowie in der Grund- und Werkrealschule. Zum festen Programm gehören bis heute neben dem Schmutzige Dunschdig, an dem man nach dem Wecken den Homberg-Kindergarten besucht und danach unentwegt bis zum Hämbglunggi-Umzug unterwegs ist, die Straßenfasnacht in Lottstetten, dann in Jestetten der Narrenmarkt am Fasnachtssonntag, der Besuch des Mehlsuppenessens am Rosenmontag und die Teilnahme an der Fasnachtsverbrennung am Abend vor dem Aschermittwoch.
Treu geblieben war man über all die Jahre dem musikalischen Repertoire. Entsprechend ihrer Bezeichnung spielt eine Chatzemusigg in schrägem Sound, bei dem nicht jeder Ton sitzt, ausschließlich gängige Fasnachts- und Stimmungsmusik. Tradition ist es seit 30 Jahren auch, in einheitlicher Kostümierung aufzutreten und natürlich werden die Gwändli jeweils selbst hergestellt. Auch außerhalb der Fasnacht trifft man sich regelmäßig und das nicht nur zu den wöchentlichen Proben, die ab November im Firmengebäude von Bernhard Schneider abgehalten werden.
Aus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens wurde die »Schludemusigg« beim diesjährigen Mehlsuppenessen von Mehlsuppenkaspar Yannic Frey auf die Bühne beordert, wo sie unter lang anhaltendem Applaus für ihre Mitwirkung an der Fasnacht gefeiert wurde. Und auch wenn die drei Jahrzehnte an keinem der Mitglieder spurlos vorbeigegangen sind, so hört man sie noch immer – und das hoffentlich noch sehr lange –, die »Schludemusigg«, die die Tradition der Chatzemusigg an der Jestetter Fasnacht hochhält.



